Das Archiv der Stadt Hennef hat jüngst ein sehr interessantes Dokument veröffentlicht: Die "Zeittafel der Hennefer Geschichte - Von der Vor- und Frühzeit bis heute" Wußten Sie zum Beispiel, dass Hennef 1000 vor Christus erstmal erwähnt wird? Wenn Sie weitere interessante Tatsachen erfahren wollen, laden Sie sich das pdf Dokument (134 kb) herunter und blättern durch die 14 Seiten. Link zur Datei: Hennefer Chronologie (pdf, 14 Seiten) Copyright © Stadt Hennef, Quelle: www.hennef.de, 2005
Aus der Geschichte des Dorfes Geistingen nach L. Elberskirch †, Hennef-Geistingen aus dem Festbuch "100 Jahre M.G.V. 1874 Geistingen e.V., Hennef 1974 abgeschrieben und aufgearbeitet von Thomas Kirstges, MGV Geistingen, Hennef 2001 "Geistingen ist ein sehr alter Ort" - " Es muss früher eine große Bedeutung gehabt haben" Solche Vorstellungen sind allgemein verbreitet und besonders im Bewusstsein der Geistinger selbst lebendig, denen ein gewisser Lokalstolz nachgesagt wird. Auch von Leuten, die sich mit der Geschichte unseres Heimatgebietes näher befasst haben, kann man hören: "das früher sehr bedeutsame Geistingen" oder "das uralte Geistingen". Was ist an all dem dran? Sehr deutlich wurden wir - bis zu ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg - durch den mächtigen Bau der alten, romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert auf die frühere zentrale Bedeutung Geistingens als Kirchort hingewiesen, und jetzt noch kann der, wer sich die Mühe macht die alten Steinkreuze auf dem Friedhof anzusehen, feststellen, dass Leute aus Orten wie Blankenbach, Lanzenbach und Stöcken, aus Kaldauen und Oberauel, in früheren Jahrhunderten hier beerdigt wurden. In der Tat umfasste die Pfarre Geistingen bis ins 19. Jahrhundert hinein noch die jetzigen Pfarreien bzw. Seelsorgbezirke Rott und Westerhausen, und auf der anderen Seite der Sieg Kaldauen, Braschoß, Seligenthal und Bödingen. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde noch der größere Teil der jetzigen Pfarre Warth von Geistingen losgetrennt. Im Süden gehörten noch zur Pfarre Hermesmühle, Kurscheid und einige Häuser von Uthweiler, jenseits der Sieg, wo sich die Pfarrgrenze teilweise an die Zeithstraße anlehnte, der Mühlenhof bei Siegburg, Braschoß, Heide, Schreck und im Nordosten Ober- und Niederhalberg. Jahrhunderte lang sind so die festen Pfarrgrenzen bis ins 19. Jahrhundert verlaufen; jenseits der Sieg konnten sie nur deshalb so lange gehalten werden, weil seit dem 13. bzw. 14. Jahrhundert die Klöster Seligenthal und Bödingen die Hauptlast der Seelsorge übernahmen und ihre Kirchen der Öffentlichkeit zughängig machten. (Einzelheiten über die kirchlichen Verhältnisse - aber natürlich auch über vieles andere - können den alten "Pfarrbriefen von St. Michael, Hennef Geistingen" entnommen werden) Es kann kein Zweifel sein, dass auch Happerschoß mit Heisterschoß zur Pfarre Geistingen gehörte, bevor es im 11. Jahrhundert von Erzbischof Anno eine Kirche bekam. Geographisch wirkt es wie ein Kuchenstück, das aus der sonst wohlgerundeten alten Pfarre Geistingen herausgeschnitten war. Bis ins 19. Jahrhundert hinein hatte es noch jährlich an die alte Pfarre ein Malter Hafer abzuliefern, das zum Kauf eines Glockenseils verwandt werden musste. Damit stimmte die alte Pfarre Geistingen in der Fläche und in den Grenzen mit den früheren Bürgermeistereien Hennef und Lauthausen, ohne die Gemeinde Blankenberg, überein. Aber es gab eine Ausnahme: Hennef selbst war, soweit feststellbar, und das ist bis ins 11. Jahrhundert, selbstständiger Pfarrbezirk, ein Kuriosum, wenn man die geringe Entfernung zwischen Hennefer und Geistinger Kirche bedenkt. Das Pfarrgebiet von Hennef schloss nur die Weingartsgasse, Schloss Allner ohne das Dorf, zeitweise einen Teil von Bröl, sowie Weldergoven, Niederkümpel, ein Haus von Wippenhohn und den Steimelshof (!) in seine Grenzen ein. Was sich die Kümpeler, Wippenhohner und die vom Steimelshof gedacht haben, wenn sie auf ihrem Kirchweg nach Hennef den Weg der der Geistinger Kirche zustrebenden Warther und Lanzenbacher kreuzten, wissen wir nicht. Aus den Sterberegistern der Hennefer Kirche des 18. Jahrhunderts (weiter gehen sie leider nicht zurück), ist aber zu ersehen, dass sich viele von ihnen in Geistingen beerdigen ließen. Man kann wohl daraus schließen, das sie zu Lebzeiten die Geistinger Kirche besucht haben und sich ihr zugehörig fühlten. Außerdem gab es einen Wippenhohner Kirchweg nach Geistingen, den auch die Kümpeler benutzten. Er verlief querfeldein oberhalb des Steimelshofes und führte ins Sövener Tal; das kurze Wegestück vor den beiden Häusern Morell, wo auch der Bach überschritten wurde, ist der letzte Rest davon.
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Die Geschichte von Geistingen - Seite 2 Die Selbständigkeit der Hennefer Kirche gegenüber Geistingen ist wohl dadurch zu verstehen, dass sie ursprünglich eine "Eigenkirche", besser gesagt eine Privatkirche war, wie sie sich im frühen Mittelalter. viele große und begüterte Familien auf ihrem Grund und Boden leisten konnten, und dass diese Grundherrschaft mächtig und einflussreich genug war, daraus eine Taufkirche und damit Pfarrkirche machen zu lassen. Es ist die Meinung geäußert worden, dass die Selbständigkeit Hennefs vielleicht dadurch zu erklären wäre, dass es noch älter sein könnte als Geistingen und schon organisatorisch gefestigt da stand, als Geistingen sich erst noch entwickelte. Diese Vorstellung hat etwas für sich. Abzulehnen ist aber der Gedanke, dass Hennef noch aus der Zeit herstamme, wo unsere Gegend von Kelten bewohnt war. Sicher ist Hennef, ebenso wie Geistingen, erst bei der Landnahme der Franken im 5./6. Jahrhundert n.Chr. gegründet worden und hat seinen Namen vom Hanfbach bekommen. Wie bei vielen anderen Gewässern könnte der Name dieses Baches auch auf die Kelten zurückgehen, was aber nicht sicher zu sein scheint. Aber Hennef war Geistingen in anderer Weise unterstellt: es gehörte zum Kirchspiel Geistingen. Pfarre und Kirchspiel waren nicht dasselbe. Das Kirchspiel unterstand einem Schultheiß und hatte mehr weltliche Aufgaben, wie z.B. die Armenpflege. Die Pfarre Geistingen bestand aus zwei Kirchspielen, dem Kirchspiel Geistingen, das bezüglich Fläche und Grenzen zum größten Teil mit der Pfarre übereinstimmte, und dem Kirchspiel "Eigen", das nur einen kleinen Teil der Pfarre im Osten mit dem Mittelpunkt Dondorf-Hossenberg umfasste. Zu diesem Kirchspiel gehörten noch Orte wie Oberhalberg, Driesch, Bödingen, Lauthausen, Oberauel, Weldergoven, Striefen und Greuelsiefen. Dieses eigenartige kleine Gebilde verdankte sein Dasein offenbar einem alten Gerichtsbezirk, der dort nachgewiesen ist. Es befand sich in Hossenberg aber auch eine alte Kapelle mit einem kleinen Kirchhof, wohin von Geistingen in früheren Zeiten jedes Jahr eine Prozession ging. So wie also zum Kirchspiel Geistingen die kleine Pfarre Hennef gehörte, so zur Pfarre Geistingen das kleine Kirchspiel Eigen. Der Ort Hennef war aber mit Geistingen noch mit einer kleineren, darum aber umso stärkeren Klammer verbunden. Er gehörte mit Stoßdorf und Warth zur Honschaft Geistingen. Mancher wird sich noch erinnern, dass bis in die jüngste Zeit der Ort Geistingen zur Bürgermeisterei Hennef, der Ort Hennef aber zur Gemeinde Geistingen gehörte; und die Honschaft war die Vorgängerin der Gemeinde. Laut einer "Situationskarte" vorn Jahre 1807 bestand das Kirchspiel Geistingen aus 6 Honschaften. - Kurscheid
- Söven mit Rott
- Geistingen mit Hennef, Warth und Stoßdorf
- Braschoß mit Haus zur Mühlen und Schreck
- Happerschoß
- Altenbödingen
Zum Verständnis späterer Darlegungen möge hier die Gliederung der Verwaltung bis zur Spitze des Herzogtums Berg erweitert werden. Das Kirchspiel Geistingen bildete mit 12 weiteren Kirchspielen das Amt Blankenberg im Herzogtum Berg. Dieses umfasste ein Gebiet, das ungefähr der Größe der Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf zusammen entsprach. Regierungssitz war Düsseldorf, da Köln und Bonn zum Kurfürstentum Köln gehörten, deren Landesherr der Erzbischof von Köln war. Diese politische und verwaltungsmäßige Ordnung herrschte bei uns bis zum Ende der napoleonischen Herrschaft, als 1815 die Rheinlande an Preußen kamen. Die Honschaft war eine sehr selbständige Verwaltungseinheit. Ihr Vorsteher, der Honn, verteilte die Abgabenlasten, die auf der Honschaft ruhten, auf die einzelnen "Nachbarn" (Einwohner) Er war der Vorsitzende des Nachbargerichts, das sich um die gesamte Ordnung in der Honschaft kümmerte, Bußen auferlegte und bei Widerspenstigkeit eines Nachbarn Strafen aussprach, die im äußersten Falle bis zur Ächtung gehen konnten. Aus den "Nachbarbüchern" umliegender Ortschaften des 16. und 17. Jahrhunderts wie Menden, Siegburg-Mülldorf, Geisbach und vieler anderer (leider nicht von Geistingen) sind darüber genauere Einzelheiten bekannt.
Die Geschichte von Geistingen - Seite 3 Auch die Bedeutung Geistingens als Sitz einer jüdischen Gemeinde sollte hier nicht übergangen werden. Als Handelsleute wussten die Juden die frühere zentrale Lage zu schätzen und ließen sich hier vorzugsweise nieder. In den 60er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts erbauten sie an der Sövener Straße eine Synagoge von beachtlicher Größe, deren Grundmauern noch sichtbar sind. Sie fiel in der berüchtigten Kristallnacht, vielmehr einen Tag später, des Jahres 1938 den Flammen zum Opfer. Auf dem kleinen Friedhof am Rotter Weg oberhalb des Oberdorfes beerdigten sie ihre Toten, darunter auch einige, die nicht in Geistingen oder der unmittelbaren Umgebung zu Hause waren. Tatsächlich zählten sich auch mehrere Familien in Eitorf zur hiesigen Gemeinde. Folgende Familien gehörten vor dem letzten Krieg zu unserer jüdischen Gemeinde: - Fam. David Dornbusch, Geistingen, Bergstraße
- Fam. Adolf Frank, Geistingen, Bonner Straße
- Fam. Simon Friedemann, Warth
- Fam. Lazarus Isaak, Geistingen, Bergstraße
- Fam. Gustav Kaufmann, Rott
- Ehepaar Samuel Levi, Geistingen, Bonner Straße
- Fam. Hermann Levi, Hennef, Frankfurter Straße
- Fam. lsidor Rosenbaum, Geistingen, "Im Loch"
- Ehepaar Samuel Rosenbaum, Geistingen, Geistinger Straße
- Fam. Moses Rosenbaum, Geistingen, Bonner Straße
- Fam. Jakob Rosenbaum, Hennef, Frankfurter Straße
- Fam. Bernhard Rosenthal, Warth
- Fam. Samuel Schönenberg, Geistingen, Sövener Straße
- Geschw. Seligmann, Rott
- Fam. Samuel Wolf, Geistingen, Bonner Straße
Mit wenigen Ausnahmen, die vorher verstarben, fielen sie dem Nazi-Wahn zum Opfer. Zurück kamen: - Samuel Wolf, geb. 1869 (Konzentrationslager Theresienstadt)
- seine Tochter Henny
- seine Tochter Nettchen (später in Osnabrück lebend)
- Sally Rosenbaum geb. 1903
- Henny Jünger, geb. Rosenbaum, geb. 1909 (Konzentrationslager Riga)
Hermann Levy, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, schied freiwillig aus dem Leben, da er die Verunglimpfungen des Judentums nicht mehr ertragen konnte. Er war lange Zeit Vorsitzender des Kriegervereins und spielte im öffentlichen Leben eine Rolle. Isidor Rosenbaum, Moritz und Ernst Schönenberg sowie Ernst Wolf waren langjährige aktive Sänger des MGV 1874 Geistingen e.V.. Räumlich weit über das Pfarrgebiet hinaus ging aber der alte Gerichtsbezirk Geistingen, der wahrscheinlich ins frühe Mittelalter zurückgereicht hat. Der Forscher Jakob Torsy, der sich besonders mit den Patronatsheiligen der Pfarreien beschäftigt hat, glaubt, dass das Patronat des hl. Michael, das schon an sich auf ein hohes Alter der Pfarrei schließen lässt, auf eine alte Gerichtsstätte hindeutet. Zum Landgerichtsbezirk Geistingen gehörten außer dem eigenen Kirchspiel die Kirchspiele Niederpleis- Menden, Oberpleis und Stieldorf. Etliche Dokumente, die Entscheidungen dieses Gerichts wiedergeben, sind uns durch die Klöster Siegburg, Zissendorf und Heisterbach überkommen. Die frühesten stammen aus den Jahren 1312 und 1333, als unser Heimatgebiet noch nicht unter der Herrschaft des Herzogs (damals noch Grafen) von Berg stand. Nach Übernahme durch diesen wurden der Landdinger (Richter) des Amtes Blankenberg gleichzeitig Landdinger von Geistingen. Bei den uns bekannten Niederschriften handelt es sich um Beurkundungen eines Besitzwechsels von Ländereien oder von Gerechtsamen sowie um Schuldurkunden mit Sicherstellung.
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