Die Selbständigkeit der Hennefer Kirche gegenüber Geistingen ist wohl dadurch zu verstehen, dass sie ursprünglich eine „Eigenkirche“, besser gesagt eine Privatkirche war, wie sie sich im frühen Mittelalter. viele große und begüterte Familien auf ihrem Grund und Boden leisten konnten, und dass diese Grundherrschaft mächtig und einflussreich genug war, daraus eine Taufkirche und damit Pfarrkirche machen zu lassen.

Aber Hennef war Geistingen in anderer Weise unterstellt: es gehörte zum Kirchspiel Geistingen. Pfarre und Kirchspiel waren nicht dasselbe. Das Kirchspiel unterstand einem Schultheiß und hatte mehr weltliche Aufgaben, wie z.B. die Armenpflege. Die Pfarre Geistingen bestand aus zwei Kirchspielen, dem Kirchspiel Geistingen, das bezüglich Fläche und Grenzen zum größten Teil mit der Pfarre übereinstimmte, und dem Kirchspiel „Eigen“, das nur einen kleinen Teil der Pfarre im Osten mit dem Mittelpunkt Dondorf-Hossenberg umfasste. Zu diesem Kirchspiel gehörten noch Orte wie Oberhalberg, Driesch, Bödingen, Lauthausen, Oberauel, Weldergoven, Striefen und Greuelsiefen. Dieses eigenartige kleine Gebilde verdankte sein Dasein offenbar einem alten Gerichtsbezirk, der dort nachgewiesen ist. Es befand sich in Hossenberg aber auch eine alte Kapelle mit einem kleinen Kirchhof, wohin von Geistingen in früheren Zeiten jedes Jahr eine Prozession ging. So wie also zum Kirchspiel Geistingen die kleine Pfarre Hennef gehörte, so zur Pfarre Geistingen das kleine Kirchspiel Eigen.

Der Ort Hennef war aber mit Geistingen noch mit einer kleineren, darum aber umso stärkeren Klammer verbunden. Er gehörte mit Stoßdorf und Warth zur Honschaft Geistingen. Mancher wird sich noch erinnern, dass bis in die jüngste Zeit der Ort Geistingen zur Bürgermeisterei Hennef, der Ort Hennef aber zur Gemeinde Geistingen gehörte; und die Honschaft war die Vorgängerin der Gemeinde. Laut einer „Situationskarte“ vorn Jahre 1807 bestand das Kirchspiel Geistingen aus 6 Honschaften.

  • Kurscheid
  • Söven mit Rott
  • Geistingen mit Hennef, Warth und Stoßdorf
  • Braschoß mit Haus zur Mühlen und Schreck
  • Happerschoß
  • Altenbödingen

Zum Verständnis späterer Darlegungen möge hier die Gliederung der Verwaltung bis zur Spitze des Herzogtums Berg erweitert werden. Das Kirchspiel Geistingen bildete mit 12 weiteren Kirchspielen das Amt Blankenberg im Herzogtum Berg. Dieses umfasste ein Gebiet, das ungefähr der Größe der Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf zusammen entsprach. Regierungssitz war Düsseldorf, da Köln und Bonn zum Kurfürstentum Köln gehörten, deren Landesherr der Erzbischof von Köln war. Diese politische und verwaltungsmäßige Ordnung herrschte bei uns bis zum Ende der napoleonischen Herrschaft, als 1815 die Rheinlande an Preußen kamen.

Die Honschaft war eine sehr selbständige Verwaltungseinheit. Ihr Vorsteher, der Honn, verteilte die Abgabenlasten, die auf der Honschaft ruhten, auf die einzelnen „Nachbarn“ (Einwohner) Er war der Vorsitzende des Nachbargerichts, das sich um die gesamte Ordnung in der Honschaft kümmerte, Bußen auferlegte und bei Widerspenstigkeit eines Nachbarn Strafen aussprach, die im äußersten Falle bis zur Ächtung gehen konnten. Aus den „Nachbarbüchern“ umliegender Ortschaften des 16. und 17. Jahrhunderts wie Menden, Siegburg-Mülldorf, Geisbach und vieler anderer (leider nicht von Geistingen) sind darüber genauere Einzelheiten bekannt.

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