Hörst du die Musik tief in dir?

Chorleiter, Arrangeur, Stimmbildner und Repetitor Pavel Brochin betreut schon seit Jahren den MGV Geistingen und freut sich, mit den engagierten Sängern und dem neuen Vorsitzenden Markus Linten, in diesem Jahr das 140-jährige Chorjubiläum zu feiern. Auf einer der Chorproben, die montags von 20.00 bis 21.30 Uhr im Saal des alteingesessenen und urgemütlichen Gasthauses „Sieg-Rheinischer-Hof“ in Geistingen abgehalten werden (weitere Sanger sind herzlich zum Mitsingen eingeladen) konnte ich mich wieder einmal davon überzeugen, dass sich der traditionelle Männerchor zum baldigen Jubilaumskonzert (In der Hennefer Meys Fabrik u. a. mit dem Hennefer Frauenchor 77) in sehr guter stimmlicher Verfassung befindet Die musikalische Maxime des wirklich versierten Chorleiters liegt ganz klar und deutlich auf der Hand! Bewährte und ausgesuchte Chorwerke und Liedsätze, beliebte Mundartlieder der Kölner Barden „Black Fööss“ oder Erfolgstitel wie „Steh auf von den „Toten Hosen“ sind ein Beispiel für das rechte Gespür was die Sänger und das Publikum gleichermaßen mögen.Hörst Du die Musik.._2

Dabei offeriert Brochin ein ausgesprochenes Talent für die Chorarrangements, die er den Geistinger Sängern und anderen Chören sozusagen auf den Leib schneidert. Anfangs sorgte er dafür, dass der Stimmapparat ausgiebig gelockert und der Stimmsitz in die rechte stimmliche Balance geriet und übte geduldig anhand von gezielten Stimmfolgen und Lautübungen an der richtigen und stimmbewußten Diktion und Intonation. Ein echtes Indiz für den besagten sängerischen Leitfaden ist beispielsweise das bewegende „Music was my first love“ von John Miles, auf dessen deutschen Text („Hörst du die Musik tief in dir?“) Pavel Brochin einen sehr berührenden und wunderschönen romantisierenden Männerchorsatz geschrieben hat. Er legte den konzentrierten und stimmlich gut disponierten Sängern ans Herz, ganz besonders darauf zu achten, Töne und Tempi sowie die Diktion noch besser zu kontrollieren und zu bedenken, dass Musik und Text in diesem Song strikt einhergehen. Der blitzgescheite Arrangeur hat einige harmonische Nuancen eingearbeitet, die die Sänger ohne wesentliche Mühen bewäligen. Brochin weiss eben, was seine Sänger können und murmelte nicht zufällig, dass man sich einen solchen Chor nur wünsche könne. Doch er braucht sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, denn wer so hartnäckig und geduldig zu Werke geht und stets an den richtigen Tönen, der unerlässlichen Tonspannung und Phrasierung arbeitet, erntet nur die Früchte seines Schaffens Diese positive Attitüde lasst sich auch in der Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“ von Giacchino Rossini (1779-1868) konstatieren, die ein pfiffiger und humoriger Anonymus zu einem Singspaß umgestaltet hat. Dennoch verlangt die köstliche Partitur den Sängern vieles an lautmalerischem Geschick und stimmlicher Präsenz und Beweglichkeit ab. Doch der Chorleiter hat die Bässe und Tenöre auf diese augenzwinkernde Ouvertüre regelrecht eingeschworen, die nur so von den Begriffen wie Stretta, Kantilenen, Piani, Dreiklängen, Coda, Sextparallelen oder Legato gespickt ist. Nur einmal griff der immer wieder lobende Dirigent ein und meinte schmunzelnd, man dürfe bei der Ouverture nicht den Überblick verlieren. Darüberhinaus hatte Brochin den Ohrwurm „Wochenend und Sonnenschein“ in einer Bearbeitung von Dirk Schütz ausgegraben, dessen Interpretation („der Herrgott hat ein Auge zu“) er sich etwas schlüpfriger und frivoler vorstellen könnte. Er war froh darüber, dass die Schattentöne verschwunden wären und sich seine Ausdauer beim Einstudieren ausgezahlt habe. Danach schlugen die Herzen beim vertrauten „Loss mer singe“, in dem die „Bläck Fööss“ das hiesige Lebensgefühl auf so wunderbare und authentische Weise ausleben und zelebrieren, ganz spürbar höher. Bei dem „Chianti-Lied“, das auf eine Tarantella zurückgeht, warf er sich in Pose und verlangte noch mehr stimmlichen und körperbetonten Ausdruck. Der vom englischen Komponisten Edward Elgar (1857-1934) vertonte Hymnus „Land of hope and glory“, den Brochin ebenfals für Männerchor bearbeitet hat, und der in englischer Sprache intoniert wurde, müsse wie ein Opemchor klingen. Dabei sollte aber nicht zu angestrengt gesungen werden, um den homogenen Stimmklang nicht zu gefährden.
Mit freundlicher Genehmigung vom Verfasser Walter Dohr                Foto: Dr. Hartmann