MGV 1874 Geistingen feiert 140-jähriges Bestehen. Jubiläumskonzert mit Rock und Oper

Artikel von Susanne Haase Mühlbauer (Generalanzeiger Bonn)

Mit einer beeindruckenden Mischung aus Klassik und Moderne feierte der MGV Jubiläum.     foto: arndt
Mit einer beeindruckenden Mischung aus Klassik und Moderne feierte der MGV Jubiläum. foto: arndt

HENNEF. Udo Füsser, Bariton im MGV Hennef-Geistingen und Veranstaltungsleiter des Jubiläumskonzerts zum 140. Chorgeburtstag, bringt es auf den Punkt: „Wir singen alles. Nur bitte nicht Am Brunnen vor dem Tore.“
Bei einem so hohen Fest wie dem 140-jährigen Bestehen eines Chores, zumal eines reinen Männerchores, hat jeder eine klare Vorstellung im Kopf, ein Klischee, das den meisten Männerchören anhaftet: Traditionsbewusste Männerchöre pflegen allein das deutsche Volkslied als hohes Gut. Das ist bekanntlich häufig so, es bedeutet aber leider auch, dass der Nachwuchs ausbleibt. Zu sehr widerspricht das traditionelle Repertoire dem musikalischen Geschmack der Jugend.

Für den Traditionschor MGV 1874 Geistingen trifft dies freilich nicht zu. Er bildet eine bekennende Ausnahme von der Regel. Wenn Udo Füsser, selbst 75 Jahre jung, sich nun deutlich distanziert von diesem Chor-Klischee und dabei die volle Zustimmung seines ersten Vorsitzenden Markus Linten und der gut 40 Sänger unter Leitung von Pavel Brochin erhält, dann erklärt das exakt, warum der Auftritt

Christine Gogolin und Chor
Christine Gogolin und Chor Foto: Anke Windeck

mit der bekannten Rockband „Queen Kings“ und der Opernsängerin Christine Gogolin ein maßgeschneiderter Höhepunkt im Jubiläumsjahr war. Ganz ohne Rockband und Verstärker, allein mit der Begleitung durch den eigenen Chorleiter am Keyboard, präsentierten sich die Hennefer Herren allerdings zunächst mit einem Lied der Toten Hosen („Steh auf“) und dem Pop-Epos „Music“ von John Miles. Und den „Stammbaum“ der Black Föss setzten sie als Zugabe oben drauf. Das zeigte die stilistische Aufgeschlossenheit des Chores und die stimmlichen Fähigkeiten, die das „Crossover“ ermöglichen.

Die Stars genießen den Applaus
Die Stars genießen den Applaus Foto: Anke Windeck

Dann kamen die Queen Kings mit Frontmann Mirko Bäumer, für den der Hennefer Auftritt ein Heimspiel war. Zu Recht wurde die Band als eine der besten europäischen Profi-Coverbands beworben. Mit seiner unverbraucht höhensicheren, strahlenden Rockstimme besitzt Frontmann Mirko Bäumer ein faszinierendes Ausnahmetalent, und mit seinen fünf Musikern, hat er Profis an seiner Seite, die den originalen Queen-Sound fast spielerisch verinnerlicht haben. Gut 500 Zuhörer verfolgten die Auftritte in der Aula der Kopernikus-Realschule, teils sitzend, teils stehend. Speisen und Getränke konnten dabei verzehrt werden. Und dank der rockigen Eröffnung durch die Nachwuchsband „The Fläsh“ als Vorband des Chores und der Queen Kings war die Stimmung gut. In der Aula herrschte Event-Charakter, denn die Hennefer steuerten auf den Höhepunkt des Abends zu – den gemeinsamen Auftritt mit Rockband und Opernsängerin. „Barcelona“ – der Hit, den Freddy Mercury mit Montserrat Caballe 1987 einspielte und der fünf Jahre später zum offiziellen Song der Olympischen Sommerspiele in Barcelona wurde. Den packenden Männerchorsatz, der hier als hymnischer Klangteppich dem gemischten Doppel in Form eines Rock- und Opernduetts zu Füßen gelegt wurde, meisterten die Hennefer Sänger mit Extraklasse.

Pavel Brochin ist glücklich
Pavel Brochin ist glücklich Foto: Anke Windeck

Der Saal war begeistert. Und die beiden Solisten auf der Bühne auch. So folgte die Wiederholung gleich im Anschluss.Das doppelte Barcelona brachte doppelten Genuss und zeigte einmal mehr, wie hoch der Reiz einer Mischung aus Klassik und Rock, Oper und Männerchor, Tradition und Moderne ist. Ein beeindruckendes Jubiläumskonzert.