Das gut besuchte Chorkonzert am 02. Juni 2019 in der Mensa der Gesamtschule Meiersheide in Hennef wurde veranstaltet vom Männerchor Geistingen 1874 e.V. Es konzertierten 3 Männerchöre unter der jeweiligen Leitung von Pavel Brochin. Der Damenchor aus Bad Honnef wurde geleitet von Irina Brochin, der Ehefrau von Pavel Brochin. Man kann somit eigentlich vom Konzert der 4 Brochin Chöre sprechen. Der 1. Vorsitzende vom Männerchor Geistingen, Markus Linten, begrüßte um 16.00 Uhr die Zuschauer, die Chöre und dann, als besonderes Schmankerl, das Kammermusik-Sextett „Rheinische Solisten“ mit ihrem Leiter und Pianisten Gerd Winzer. Nach einer Erläuterung der Abfolge des Konzertes und dem Hinweis auf die bereit liegenden Programmblätter, übergab er das Mikrofon an Chorleiter Pavel Brochin, der sinngemäß sagte: Bei 3 Männerchören mit dem selben Chorleiter ergeben sich naturgemäß Überschneidungen beim Repertoire der einzelnen Chöre. Daher habe er bei der Präsentation der 3 Chöre Wert auf die Individualität jedes einzelnen Chores gelegt – also jeder Chor konnte seine Lieblingsstücke präsentieren. Nun also – Bühne frei für den ersten Chor.

Männergesangverein 1920 Evonik Lülsdorf

Wer bei einer Veranstaltung den Anfang macht, hat es gewöhnlich am schwersten, das Auditorium für sich zu gewinnen – so sagt es jedenfalls der Volksmund. Doch die Sänger aus Niederkassel wussten genau, wie sie die Aufmerksamkeit des Publikums schnellstens erreichen konnten. Sie hatten sich des Themas „Wasser“ angenommen. Genauer gesagt, dem Meereswasser. Noch ohne einen Ton gesungen zu haben, war ihnen die volle Aufmerksamkeit gewiss. Da standen ausgewachsene Seemänner auf er Bühne, mit blauen Hemden und weißen Bärten. Vor allem eines durfte nicht fehlen – die gute Flasche Rum!

Schon das erste Lied „Leinen los“ von Santiano weckte Assoziationen zu Sturm, Wellen, Meer und dem wärmenden Rum. Mit Begeisterung schwenkte der 1. Vorsitzende der Lülsdorfer Sänger die noch gut gefüllte Flasche Rum aus Jamaika, die natürlich im Laufe der Fahrt auf See immer leerer wurde. Spätestens bei dem durch Rod Stewart bekannten Stück „Sailung“ war dann „Flasche leer“ angesagt. Nun galt es, klaren Kopf zu bewahren, denn mit dem „Conquest of Paradise“ von Vangelis, wurde diesmal nicht die 1. Runde gegen Henry Maske eingeläutet sondern volle Konzentration der Sänger gefordert. Die Interpretation dieser Filmmusik aus „Eroberung des Paradieses“ war von Chorleiter Pavel Brochin sorgfältig einstudiert worden. Der verdiente Beifall für den gefühlvollen Gesang belohnte die Sänger wie auch den Chorleiter.

Damenchor Bad Honnef

Der Chor feierte vor einiger Zeit sein 30-jähriges Jubiläum und wird von Irina Brochin geleitet. Zum Auftakt sollten programmgemäß eigentlich die Damen aus Bad Honnef auftreten. Zur allgemeinen Überraschung bemühten sich jedoch die „Alten Schachteln“, die Bühne zu betreten. Was da wohl auf das Publikum zukommen würde? Tief gebeugt, mit Krückstöcken bis hin zum Rollator quälten sich die Damen die Bühnentreppe hinauf. Das übliche Anspielen des ersten Beitrages misslang völlig, da die grauhaarige Pianistin das Weihnachtslied „O Tannenbaum“ anstimmte. Doch als sich alle Damen berappelt hatten, der Gesang harmonisch begann, begleitet von tänzerischen Bewegungen, begriffen alle schnell, dass hier ein sehr guter Damenchor auf der Bühne stand – eben doch der aus Bad Honnef. Ein sehr gelungenes Entree.

Unter dem Motto „Frauen und Männer“ präsentierten die Damen, mit Irina Brochin am Piano, sowohl musikalisch als auch optisch und schauspielerisch eine glanzvolle Darbietung. Bestens passend zum vorgenannten Motto natürlich die Interpretationen von „Junger Mann im Frühling“ und „Lebt denn der alte Holzmichel noch“. Unter begeistertem Applaus bewegten sich die Damen aus Bad Honnef – nun wieder agierend als „Alte Schachteln“ – Stufe für Stufe die Bühnentreppe hinab.

Wer diesen Chor gerne wieder sehen, wieder hören will, hat bereits am 7. Juli im Hotel/Restaurant Villa von Sayn in Rheinbreitbach dazu die Gelegenheit.

Rheinische Solisten

Die „Rheinischen Solisten Köln“ wurden 1995 vom Pianisten Gerd Winzer gegründet. Fünf engagierte Profimusiker hatten es sich damals zum Ziel gesetzt, vor allem populäre klassische Musik einem breiten Publikum auf hohem Niveau zu präsentieren. Mitglieder aus der Zeit sind immer noch Selcuk Sahinoglu Klarinette, Ulrich Roterberg Cello und Uwe Küster Kontrabass. Eine Vielzahl von Konzerten führte das 6-köpfige Ensemble auch auf Schiffsreisen, Schlösser, Kirchen oder entlegene romantische Mühlen und Vulkangruben. Oft werden Spezialarrangements für die besondere Besetzung entworfen und so ist das Ensemble in der Lage, quasi alles spielen zu können. Das Publikum spürt wohl auch den quasi „familiären“ Umgang der Musiker miteinander auf der Bühne. Zur Zeit spielt Yuliia Vasylkova die Sologeige – Sie ist eine hochtalentierte ukrainische Solistin mit der die Kollegen bestens harmonieren. Der peruanische Flötist Daniel Cueto ergänzt auf ideale Weise den speziellen Klang. (Der vorstehende Text ist ein Kurzportrait des Sextetts, verfasst von dessen Leiter Gerd Winzer)

So schön für Musikfreunde der Chorgesang ist, so sehr hat auch die Instrumentalmusik ihre Anhänger. Mit Recht, denn wer möchte auf Beethoven, Mozart oder Johann Strauss verzichten wollen? Musik hat zahlreiche Facetten. So erwies sich das Engagement der Rheinischen Solisten unter der Leitung von Gerd Winzer (Pianist) als „Leckerbissen der anderen Art“ auf der Speisenkarte dieses Chorkonzert-Programms. Eine ungewohnte Atmosphäre durchdrang den Saal, ließ das Publikum virtuell zusammenrücken und den bekannten klassischen Melodien des Sextetts lauschen. Die in Perfektion vorgetragenen Evergreens der Klassik entfachten einen Groove – auch wenn dieser Anglizismus einfach nicht zu der Freude des Publikums passen will. Der Donauwalzer, die Toselli Serenade erweckten Erinnerungen an die Jugendzeit. Das „Auf in den Kampf Torero“ aus der Oper Carmen ließ die Anwesenden übergangslos mitsingen bis das „Funiculi. Funicula“ und die „Mattinata“ verklungen waren. Der lang anhaltende Beifall bezeugte, dass Instrumentalmusik auch bei Chorkonzerten sehr gut integrierbar ist. Auf ein baldiges Wiedersehen.

Pause

Nach so viel Emotionen tat die folgende ca. 20-minütige Pause im Foyer der Mensa gut. Hilfreiche Hände aus dem Kreis des Veranstalters reichten Getränke, die dann auch im Freien getrunken werden konnten. Der leichte Wind war angenehm.

Männerchor Quirrenbach 1906

Wer das Dirigat beim Männerchor Quirrenbach antritt weiß, dass er für eine Zeitspanne von wenigstens 20 Jahre die musikalische Verantwortung übernehmen wird. Vor 20 Jahren übergab der damalige Chorleiter Karl-Joseph Krahe den Dirigentenstab an den jetzigen Chorleiter Pavel Brochin, der diesen nun ebenfalls bereits 20 Jahre erfolgreich für den MC Quirrenbach inne hat. Grund genug also für den Vorsitzenden Dieter Reichelt (Nachfolger von Josef Göbel), eine Urkunde für 20-jähriges erfolgreiches Dirigat beim MC Quirrenbach an Pavel Brochin zu überreichen und sich für dessen professionelle musikalische Arbeit zu bedanken. Anerkennenden Beifall spendete das Auditorium.

Die Sänger überzeugten dann gekonnt mit dem Stück von Max Raabe „Küssen kann man nicht alleine“. Zweifelsfrei sangen sie dies aus Erfahrung. Der von Fred Fassert im Jahr 1958 geschriebene Song „Barbara Ann“, bekannt geworden durch die „Beach Boys“, wurde im Dezember 1965 als Single (aus deren LP Beach Boys’Party) veröffentlicht und war mit ca. 1 Million verkaufter Platten weltweit erfolgreich. Wie schon damals, hat die rockige „Barbara Ann“ auch heute das Publikum gegroovt. Zum Schmunzeln brachten die Quirrenbacher das Publikum dann mit dem in kölscher Sprache gesungenen Calypso „Du kleene Entemann“ welcher das ‚Kind im Manne in der Badewanne‘ besang, das im Geheimen mit Vergnügen seine Ente quietschen lässt. Der Text ist genau auf die Melodie des Calypso`s „O Island in the Sun“, im Original von Harry Belafonte gesungen, rhythmisch abgestimmt. Nun füllte sich die Bühne deutlich, denn die Sänger vom Männerchor Geistingen gesellten sich zu den Quirrenbachern.  Gemeinsam sangen sie den Bläck Fööss Titel „Ming eetste Fründin“. Dieser beschreibt den ersten Liebeskummer eines Teenies, der lernen muss, dass seine erste Freundin von seinem Moped weniger beeindruckt ist, als vom Auto seines Konkurrenten.

Mit viel Applaus bedankten sich die Anwesenden beim Dirigenten Pavel Brochin und den Sängern auf der Bühne.

Männerchöre Quirrenbach und Geistingen gemeinsam auf der Bühne

Auch wenn Pavel Brochin Überschneidungen vermeiden wollte, kündigte Markus Linten eine Uraufführung in dieser Konstellation an. In Abstimmung mit dem Chorleiter, sangen der MC Quirrenbach und der MC Geistingen gemeinsam die im Album Rebel von John Miles veröffentlichte Komposition „Music“. Die Schwierigkeit, dieses Stück für einen Chor zu setzen, begreift man schnell, wenn man sich das Original anhört, gesungen und vom Piano begleitet von John Miles. Die Gesamtlänge der Ballade von ca. 5,5 Minuten enthält relativ wenig Text aber viel Instrumentalmusik. Wie Chorleiter Pavel Brochin dieses Problem gemeistert und für die beiden Männerchöre gesetzt hat, war schon sehr beeindruckend. Hier noch der Link zum YouTube Video „Music“ von und mit John Miles: 

https://www.youtube.com/watch?v=vBqu6KCXjws

Nun traten die Quirrenbacher ab und überließen die Bühne dem Männerchor Geistingen.

Männerchor Geistingen 1874 e.V.

Als gastgebender Chor hatten die Geistinger die Mensa der Gesamtschule Meiersheide mit Sitzgruppen, bestehend aus mit Stühlen umringten Tischen gruppenfreundlich aufgebaut. Ein ungewohnter aber dafür sehr einladend wirkender Anblick für die Zuhörer. Das Entstehen einer Gemeinschaft der Besucher war hierdurch vorausschauend gegeben. Auch für den Getränkeservice während der 5 auftretenden Gesangs- bzw. Musikerdarbietungen waren die Gäste dankbar bei der schon sommerlichen Temperatur. Die für dieses Chorkonzert von unserem Chorleiter Pavel Brochin, der seit über 20 Jahren bei uns den musikalischen Ton angibt, vorgesehenen Lieder sind den Bereichen Hymen und Klassiker zugeordnet. Die Sänger aus Geistingen begannen mit dem Lied „Ihr von morgen“ von Udo Jürgens, mit dem dieser bereits vor Jahren zu einem verantwortlichen Umgang mit unserer Welt mahnte. Ein gerade heute ein aktuelles Thema. Die Liebe eines Autofetischisten wird in dem „Autolied“ auf die Schippe genommen. Felgen und Kotflügel bekommen hier eine ganz andere Bedeutung, die manche Zuhörer zum Lachen reizte. In der Tat war in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts oft von Ehemännern die Rede, die sich mehr um ihr Auto, als um ihre Frau kümmerten.

Die anschließend sehr feinfühlig gesungene Hymne „Anthem“ ist aus dem Musical Chess (Musik von Benny Andersson und Björn Ulvaeus), in welcher 2 Schachspieler stellvertretend für den Kalten Krieg im damaligen Ost-West-Konflikt in Szene gesetzt werden.

Ein Ohrwurm folgte nun mit dem Titel „Mein großer Tag“, bekannt unter dem amerikanischen Titel „One moment in time“, erstmals gesungen von Whitney Houston im Jahr 1988. Einmal kommt mein großer Tag, ich muss nur an mich glauben und alles dafür geben,. Auch Angelika Milster sang diese Ballade, jedoch mit deutschem Text. Es folgte dann, der ebenfalls in deutscher Übersetzung vorgetragenen ABBA-Hit „Thank you for the music – Danke für die Lieder“ der auch heute noch immer gerne gehört und gesungen wird. Mit viel Applaus verließen nun auch die Geistinger Sänger die Bühne.

Zum Abschluss sangen dann alle gemeinsam mit den Geistinger Sängern das ebenfalls von den Bläck Fööss stammende Lied „Unsere Stammbaum“. Ein schöner 3-stündiger Nachmittag war zu Ende. Später dann auch für die fleißigen Helfer des Gastgebers, die dankenswerterweise noch die erforderlichen Aufräumarbeiten abwickelten. 

Großer Dank und Respekt von uns Sängern, adressiert an Irina Brochin, Pavel Brochin, Gerd Winzer mit Solisten, allen Gastchören und unserem bewährten Moderator und 1.Vorsitzenden Markus Linten, der wie immer das Programm gekonnt und unterhaltsam vorstellte. Last but not least gilt unser Dank auch Herrn Dr.Hartmann, der für uns die Fotos zu diesem Beitrag gemacht hat.

Fotos Dr. Hartmann                    Text Männerchor Geistingen