Auch die Bedeutung Geistingens als Sitz einer jüdischen Gemeinde sollte hier nicht übergangen werden. Als Handelsleute wussten die Juden die frühere zentrale Lage zu schätzen und ließen sich hier vorzugsweise nieder. In den 60er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts erbauten sie an der Sövener Straße eine Synagoge von beachtlicher Größe, deren Grundmauern noch sichtbar sind.

Sie fiel in der berüchtigten Kristallnacht, vielmehr einen Tag später, des Jahres 1938 den Flammen zum Opfer. Auf dem kleinen Friedhof am Rotter Weg oberhalb des Oberdorfes beerdigten sie ihre Toten, darunter auch einige, die nicht in Geistingen oder der unmittelbaren Umgebung zu Hause waren. Tatsächlich zählten sich auch mehrere Familien in Eitorf zur hiesigen Gemeinde. Folgende Familien gehörten vor dem letzten Krieg zu unserer jüdischen Gemeinde:

  • Fam. David Dornbusch, Geistingen, Bergstraße
  • Fam. Adolf Frank, Geistingen, Bonner Straße
  • Fam. Simon Friedemann, Warth
  • Fam. Lazarus Isaak, Geistingen, Bergstraße
  • Fam. Gustav Kaufmann, Rott
  • Ehepaar Samuel Levi, Geistingen, Bonner Straße
  • Fam. Hermann Levi, Hennef, Frankfurter Straße
  • Fam. lsidor Rosenbaum, Geistingen, „Im Loch“
  • Ehepaar Samuel Rosenbaum, Geistingen, Geistinger Straße
  • Fam. Moses Rosenbaum, Geistingen, Bonner Straße
  • Fam. Jakob Rosenbaum, Hennef, Frankfurter Straße
  • Fam. Bernhard Rosenthal, Warth
  • Fam. Samuel Schönenberg, Geistingen, Sövener Straße
  • Geschw. Seligmann, Rott
  • Fam. Samuel Wolf, Geistingen, Bonner Straße

Mit wenigen Ausnahmen, die vorher verstarben, fielen sie dem Nazi-Wahn zum Opfer.

Zurück kamen:

  • Samuel Wolf, geb. 1869 (Konzentrationslager Theresienstadt)
  • seine Tochter Henny
  • seine Tochter Nettchen (später in Osnabrück lebend)
  • Sally Rosenbaum geb. 1903
  • Henny Jünger, geb. Rosenbaum, geb. 1909 (Konzentrationslager Riga)

Hermann Levy, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, schied freiwillig aus dem Leben, da er die Verunglimpfungen des Judentums nicht mehr ertragen konnte. Er war lange Zeit Vorsitzender des Kriegervereins und spielte im öffentlichen Leben eine Rolle. Isidor Rosenbaum, Moritz und Ernst Schönenberg sowie Ernst Wolf waren langjährige aktive Sänger des MGV 1874 Geistingen e.V..

Räumlich weit über das Pfarrgebiet hinaus ging aber der alte Gerichtsbezirk Geistingen, der wahrscheinlich ins frühe Mittelalter zurückgereicht hat. Der Forscher Jakob Torsy, der sich besonders mit den Patronatsheiligen der Pfarreien beschäftigt hat, glaubt, dass das Patronat des hl. Michael, das schon an sich auf ein hohes Alter der Pfarrei schließen lässt, auf eine alte Gerichtsstätte hindeutet. Zum Landgerichtsbezirk Geistingen gehörten außer dem eigenen Kirchspiel die Kirchspiele Niederpleis- Menden, Oberpleis und Stieldorf. Etliche Dokumente, die Entscheidungen dieses Gerichts wiedergeben, sind uns durch die Klöster Siegburg, Zissendorf und Heisterbach überkommen. Die frühesten stammen aus den Jahren 1312 und 1333, als unser Heimatgebiet noch nicht unter der Herrschaft des Herzogs (damals noch Grafen) von Berg stand. Nach Übernahme durch diesen wurden der Landdinger (Richter) des Amtes Blankenberg gleichzeitig Landdinger von Geistingen. Bei den uns bekannten Niederschriften handelt es sich um Beurkundungen eines Besitzwechsels von Ländereien oder von Gerechtsamen sowie um Schuldurkunden mit Sicherstellung.