Am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr trafen sich die Abordnungen der Veranstalter, um Tische, Bänke, Stühle für das Publikum auf zu stellen. Im Vorfeld war bereits entschieden worden, dass das Konzert im Freien, also im Park des Kurhauses stattfinden sollte, da die Regenwahrscheinlichkeit unterhalb von 10 % prognostiziert worden war.

Der Bierwagen, in welchem neben dem Gerstensaft auch Wasser, Wein und Limonade gekühlt lagerten, stand dicht neben der Hüpfburg, damit auch die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben konnten. Mitarbeiterinnen vom Kurhaus zogen anschließend die Tische und Bänke mit grauen Hussen festlich an, so dass fast alles für einen unterhaltsamen Nachmittag vorbereitet war.

Die Sänger vom ‚Männerchor Geistingen 1874 e.V.‘ trafen dann um 14 Uhr zum Einsingen im Kurpark ein und ihr Chorleiter und Dirigent Pavel Brochin stimmte dabei auch die Standorte der Mikrofone und den Klang der Lautsprecher mit den zuständigen Tontechnikern ab. Auch das Blasorchester Uckerath, welches turnusmäßig dieses Jahr auftrat, bereitete sich vor. Die Organisation für Kaffee und Kuchen lag, wie immer, in der Obhut des Kurhaus-Personals.

Die Zeiger der Uhr zeigten inzwischen auf 14:30 Uhr. Das Einsingen war erfolgreich beendet und der Männerchor hatte nun etwas Zeit zur Sammlung und Ruhe vor dem Auftritt. Inzwischen trafen mehr und mehr Menschen ein, besetzten die Tische und Bänke und belebten den Kurpark.

Pünktlich um 15 Uhr stellten sich die Sänger in ihren blauen Vereinshemden und dunklen Hosen vor ihrem Dirigenten Pavel Brochin und dem Publikum auf.

Männerchor vor Publikum

Wie stets zuvor, eröffnete Gerd Dohlen, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hennef, das diesjährige Kurparkkonzert. Auch der 1. Bürgermeister Klaus Pipke fand, wie immer, die passenden Worte zur Begrüßung von Publikum und Veranstaltern.

Die Sänger öffneten nun die Notenmappen und ihr Dirigent Pavel Brochin spielte das 1. Stück auf dem Piano–Keyboard an.

Freunde, lasst uns trinken

Dieses Lied (Text und Musik von Reinhard Mey) erschien 1980 in seinem Album ‚Jahreszeiten‘. Der Liedermacher verrät uns hier das Motiv einer trinkfreudigen Gemeinschaft.

Ganz gleich, wie eine gesellige Runde auch zusammengekommen ist; es findet sich immer ein Grund, auf Dieses oder Jenes zu trinken. Schließlich ist das Leben doch sehr sehr kurz, relativ zur Ewigkeit.

Tourdion

Mit dem seit dem Jahr 1530 bekannten französischen Trinklied ‚Tourdion‘, welches dem Komponisten und Notenbuch-Drucker Pierre Attaignant zugeschrieben wird, gingen die Sänger nun ins Detail und besangen den guten kühlen Wein, der sogar beim Verspeisen eines Schinkenbratens (Schinkenbein) in guter Runde mundet.

Griechischer Wein

Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts – ist noch gar nicht so lange her – entstand der Begriff ‚Gastarbeiter‘. Dies waren europäische Nachbarn, die bei uns Arbeit und Einkommen suchten und fanden. Die hohe Arbeitslosigkeit vor allem in den südlichen Ländern traf sich mit dem Bedarf an Arbeitskräften – also fast so aktuell wie heutzutage.

Udo Jürgens (Musik) und Michael Kunze (Text) befassten sich in diesem Lied mit der Gefühlslage der ‚Gastarbeiter‘ aus Griechenland und deren zuhause wartenden Familien. Eine sehr berührende Ballade von Sehnsucht und Einsamkeit, entstanden 1974.

Ihr von morgen

Das Lied „Ihr von morgen“ von Udo Jürgens (Musik) und Michael Kunze (Text), mit dem diese bereits im Oktober 1985 im Album ‚Treibjagd‘ zu einem verantwortlichen Umgang mit unserer Welt mahnte, ist sogar heute noch immer ein aktuelles Thema. Diese Mahnung ist somit eine echte ‚Hymne an die Zukunft‘.

Publikum mit Blick auf die Sänger

Autolied

Die Liebe eines Autofetischisten wird in dem „Autolied“ auf die Schippe genommen. Felgen und Kotflügel bekommen hier eine ganz andere Bedeutung, die manche Zuhörer zum Lachen reizte. In der Tat war in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts oft von Ehemännern die Rede, die sich mehr um ihr Auto, als um ihre Frau kümmerten.

Heutzutage ist das möglicherweise anders – schließlich gibt es für das Auto, nun ja, die Waschstraße.

Ming eetste Fründin

„Ming eetste Fründin“ von den Bläck Fööss (1976) beschreibt den ersten Liebeskummer eines Teenies, der lernen musste, dass seine erste Freundin von seinem Moped weniger beeindruckt war, als vom Auto seines Konkurrenten. Da dieser Titel in ‚köllscher Sprache‘ gesungen wurde, empfand das Publikum ‚das Leiden des jungen Teenagers‘ sicher weniger heftig als dieser damals selbst.

Das Blasorchester Uckerath spielt seinen ersten Programmteil

Das Blasorchester Uckerath wurde im Jahr 1950 gegründet. Die studierte Musikwissenschaftlerin Caroline Neußer ist seit April 2014 die musikalische Leiterin und Dirigentin. Weitere Informationen über das Blasorchester Uckerath finden Sie über den folgenden Link https://www.blasorchesteruckerath.de/?Start

Caroline Neußer dirigiert das Blasorchester

Das zweigeteilte Musikprogramm begann mit einem musikalischen Freudensprung (Jump and Joy). Auch wenn die folgende Ballade ‚Rainbows keep falling on my head‘ ein echter Ohrwurm ist, freuten sich sicher alle Anwesenden über das angenehme, trockene Wetter. Dazu passte der folgende Boccaccio-Marsch von Franz von Suppé (1819-1895) hervorragend, war dieser doch einer seiner größten Erfolge.

Der Männerchor Geistingen singt seinen zweiten Programmteil

Anthem

Die anschließend sehr feinfühlig gesungene Hymne „Anthem“ ist aus dem Musical Chess (Musik von Benny Andersson und Björn Ulvaeus), in welcher 2 Schachspieler stellvertretend für den Kalten Krieg im damaligen Ost-West-Konflikt in Szene gesetzt werden. Der Amerikaner Bobby Fischer entthront den sowjetischen Schachweltmeister Boris Spasski im Jahr 1972.

Danke für die Lieder (Thank you for the music)

Diesen ABBA-Hit kennen sicher die meisten. (Musik von Benny Andersson und Björn Ulvaeus)

Auch hier wurde der deutsche Text von Michael Kunze verfasst. Egal woher die Melodien kommen, man kann sie singen, ob in guten oder traurigen Momenten. Was wäre die Welt ohne Musik.

Musik

Nach diesem ‚Dank an die Lieder‘ kündigte der 1. Vorsitzende des Männerchors Geistingen, Markus Linten, die im Album Rebel von John Miles veröffentlichte Komposition „Music“ an. Die Schwierigkeit, dieses Stück für einen Chor zu setzen, begreift man schnell, wenn man sich das Original anhört, gesungen und vom Piano begleitet von John Miles. Die Gesamtlänge dieser Ballade von ca. 5,5 Minuten enthält relativ wenig Text aber viel Instrumentalmusik. Wie Chorleiter Pavel Brochin dieses Problem gemeistert hat und über den Männerchor Geistingen dem Publikum diese lange Phase von Instrumentalklang in Vokalklang vermittelt hat, war sehr beeindruckend. „Hörst Du die Musik tief in Dir“?

Der Junior assistiert seinem Vater Pavel Brochin am Piano
Filipp assistiert seinem Vater Pavel Brochin beim Notenblättern

Mein großer Tag (Musik Albert Hammond Text John Bettis)

Ein Ohrwurm folgte nun mit dem deutschen Titel „Mein großer Tag“, bekannt geworden unter dem amerikanischen Titel „One moment in time“, erstmals gesungen von Whitney Houston im Jahr 1988. Aufgrund des überwältigen Erfolges wurde dieser Titel dann der eigentliche Song für die Olympiade in Seoul 1988.

Einmal kommt mein großer Tag, ich muss nur an mich glauben und alles dafür geben. Angelika Milster sang diese Ballade ebenfalls 1988, aber mit deutschem Text.

Unser Stammbaum

Das begeisterte Publikum wollte den Männerchor und seinen Dirigenten Pavel Brochin aber noch nicht gehen lassen. Laut und deutlich erklangen die Rufe nach einer Zugabe, die der erfahrene Chorleiter natürlich schon mit dem Chor vorbereitet hatte.

Der im rheinischen Dialekt vorgetragene Bläck Fööss Titel (Musik Hans Knipp) stammt aus dem Jahr 2000 und ist noch immer aktuell. Denn er beschreibt, dass ein gutes Zusammenleben vieler unterschiedlichen Menschen möglich ist, unabhängig von deren Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Sie alle haben sich beizeiten erfolgreich integriert.

Blasorchester Uckerath

Der zweite Programmteil des Bläserchors mit Stücken der ‚Comedian Harmonists‘ und Hits von James Last erfreute dann das Publikum und bei der dann gespielten Polka für Blasmusik, der ‚Bömische Serenade‘, zeigte der Rhythmus im 2/2-Takt deutlich seine Wirkung auf so manchen Besucher, dessen Hände im Takt klatschten.

Der dann folgende Mussinan-Marsch ist eine Komposition des deutschen Militärkapellmeisters Carl Carl (1830 – 1898). Diesen Marsch widmete er dem Generalleutnant der damaligen königlich bayerischen Armee Ludwig Ritter von Mussinan (1826 – 1908).

Blasorchester mit Co-Dirigent

Zum musikalischen Ausklang des Kurparkkonzertes animierten Uckerather Blasmusiker das Publikum nun zum Mitsingen. Sie hatten dazu Melodien der Bläck-Fööss ausgewählt, die jedem Rheinländer bekannt sind. Der ‚Buuredanz‘, das ‚Schötzefess‘ und ‚Drink doch ene mit‘ wurden als Medley präsentiert. Die ausgelegten Textvorlagen dazu halfen auch auswärtigen Besuchern, den rheinischen Dialekt mitsingen zu können. Mit viel Applaus bedankte sich die Zuhörerschaft von den Musikern des Blasorchesters Uckerath.

Ab nun löste lockere Geselligkeit die Menschen von ihren Sitzen. Bierstand und Kuchenbuffet hatten regen Zulauf und auch die Kinder mit Eltern umlagerten die große Hüpfburg. Und bei Kaffee, Kuchen, Wein oder Bier gab es stets genug zu erzählen. Und mindestens einer der Sänger vergaß dabei, dass er eigentlich auch Tische und Bänke hätte mit abbauen sollten.

Gut besucht war auch die Hüpfburg
Foto: Männerchor Geistingen

Wir freuen uns schon heute auf das Kurparkkonzert im kommenden Jahr 2020

Fotos: Wir bedanken uns bei Herrn Alfred Heimermann aus Hennef, der uns seine Fotos zur Veröffentlichung frei gegeben hat.

Textbeitrag: Männerchor 1874 Geistingen e.V.