Bacchus winkt den frohen Zechern

Die Kurparkkonzerte, vor sieben Jahren vom „Verkehrs- und Verschönerungsverein 1881 e.V. Hennef“ (VVV) ins Leben gerufen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit; und das ganz zurecht wie die gekonnten Auftritte des MGV Geistigen (Ltg.: Pavel Brochin) und des Blasorchesters Uckerath (Ltg.: Caroline Neußer) im lichterfüllten Ambiente des Atriums von „Wohnen am Park“ in der Bonner Straße zu Genüge zeigten. Dabei sind die Sänger aus der unmittelbaren Nachbarschaft sozusagen von der Geburtsstunde dieser gelungenen Konzerte an mit von der musikalischen Partie. VVV-Vorsitzender Gerhard Dohlen und sein Verein hatten sich vor Jahren auf die Fahne geschrieben, den Kurkonzerten in den achtziger und neunziger Jahren wiederzubeleben.SAM_9260_klein Das traf auch beim honorigen Gastgeber, der Kurhaus-Wohnresidenzen GmbH“ auf fruchtbaren Boden. So dankten denn Markus Linten (Vorsitzender und Moderator des MGV Geistingen), Vizebürgermeister Thomas Wallau und besagter Oberstudiendirektor Gerhard Dohlen der Heimleitung für ihr vorbildliches Engagement und den Musikanten für löbliches Tun! Doch der VVV hat nicht nur die Tradition der Kurkonzerte (heute: Kurparkkonzerte) aus dem Dornröschenschlaf geweckt, sondern im Foyer der Senioreneinrichtung für Speis und Trank gesorgt. Darüber hinaus hatte man mit Bedacht den Wetterkapriolen vorgebeugt und hatte sich erst einige Stunden zuvor zu dieser richtigen Entscheidung durchgerungen!SAM_9268_klein
Chorleiter Brochin begleitete dieses oder jenes Chorlied und Chorarrangement (von denen der eine oder andere aus seiner eigenen Notenfeder stammte) auf dem E-Piano und hielt die Singstimmen zu wacher Stimmgebung und rhythmischer Sorgfalt an. Er hatte für die beiden stimmschönen Auftritte Wein- und Trinklieder zu einer klangfeinen Collage zusammengestellt und konnte sich damit der Gunst des Publikums sicher sein. Das konnte ebenfalls Dirigentin Neußer sein, die sich mit den sehr gut disponierten Musikern und Musikerinnen jeden Alters in beliebte Melodien und zünftige und volkstümliche Ohrwürmer vertiefte, die bis zu den „Comedian Harmonists“ und damit in die dreißiger Jahre zurückreichten. Die Sänger verschafften sich schon anfangs recht viel Pluspunkte mit dem quicklebendigen und burschikosen „Studentenchor“ aus Offenbachs phantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“. Die munteren und trinkfreudigen Studenten stürzen bekanntlich in die berühmten Weinstuben von Lutter in Berlin und präsentieren sich dabei als eine lärmende Schar, die den armen Schankwirt durch dessen Gaststube hetzen. Dabei warten die jungen Gesellen auf jenen Dichter und Zecher Hoffmann, nachdem die Oper tituliert ist! Quirin Rische (1903-83), der ebenso wie Offenbach in der Domstadt Köln geboren ist, hat zwar nicht erwähnt, dass man nicht nur den Wirt verprügeln will, sondern auch die schöne Wirtin entführen will.SAM_9262_klein
Doch das spielte bei den Geistinger Sänger keine besondere Rolle; denn diese waren immer wieder gefordert, den blitzblanken Stimmeinwürfen „Schenk ein!“, pointierten Stimmpassagen und packenden Stimmübergängen die nötige Präsenz zu geben.
Diese stimmliche Präsenz zeigten die Sänger ebenfalls im Weinlied „Ich weiß ein Fass in einem tiefen Keller“, von Heinz H. Ehrhard (1905-57) arrangiert, bei dem einem weiteren Bacchusjünger dessen dickes Weinfass als Grabstein an ihn erinnern soll. Aus dem reichen Fundus an gemütvollen Liedern von Reinhard Mey gehört auch das Lied „Freunde, lasst uns trinken“, dass Pasquale Thibaut für Männerchor vertont hat. Die Sänger identifizieren sich mit dieser bewegenden Liedperle wie auch mit einem mit „Tourdion“ überschriebenen alten französischen Trinklied („Hei, der gute kühle Wein macht alles kunterbunt“) aus der Renaissance, worin Wein und Schinken gepriesen werden. Doch die Laudatio auf das Trinken war damit noch nicht erschöpft! Der von Brochin selbst arrangierte Bläck-Föss-Hit „Drink doch ene met“ und der von Gus Anton (1938) gesetzte Erfolgstitel „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens (gewiss als eine Hommage an den großen Schlagerbarden gedacht) beschwörten dagegen ehrliche Gastfreundschaft und lebendige Völkerverständigung. Dabei forderte Brochin das hellwache Publikum zum Mitsingen auf. Dies geriet ebenso vorzüglich wie das spontane Mitklatschen bei den prächtig intonierten Musikstücken! Voller Pathos und mit tief erfüllter russischer Seele intonierte man zudem ein Studentenlied von Alexander Sweschnikow (1890-1980) nach einem Text von Brochin und widmete sich dem russischen Trinklied „Grad

Markus Linten
Markus Linten

aus dem Wirtshaus“ (in einer weiteren Vertonung des Chorleiters) mit stimmlicher Überzeugung. Dieses letztere Lied ist ein echter Singspaß, da der nächtliche Zecher meint, dass die Straße betrunken sei! Das unsterbliche Chianti-Lied ergänzte die ausgesuchte Chorpalette, bei der Moderator Markus Linten augenzwinkernd betonte, dass man mit ihr „die ganze Weinkarte heruntersingen“ würde.
Der Vorsitzende des Uckerather Blasorchesters, Andreas Schmitz, der mit mehreren Perkussionisten für klangliche Akzente sorgte (wie auch die Klarinettistin, die beiden Flötistinnen und die ganze Bläserschar), moderierte die mit viel Bravour gespielten Stücke. Zu denen gehörtenSAM_9259_klein die vertrauten Medleys aus den sechziger Jahren von Bert Kaempfert („Spanish Eyes“ und „A Swingin´ Safari“) und Herp Alpert („A Taste of Honey“ und „Tijuana Taxi“), die schwungvollen Märsche aus Russland („Abschied der Slawin“), Tirol („Bozener Bergsteigermarsch“) und dem Egerland („Böhmischer Traum“) und die quasi als Ouvertüre erklingende Erfolgsmelodie „Musik ist Trumpf“. Zum viel beklatschten Kehraus und bejubelten Finale intonierten die Bläser die urwüchsigen Bläck Fööss-Titel „Buuredanz“, „Schötzefess“ und „Drink doch ene met“, bei denen Jung und Alt schier aus dem Häuschen gerieten!

Artikel von Walter Dohr                                                      Fotos: MGV Geistingen und HG Holzhauer

Zum obigen Kurparkkonzert des MGV 1874 Geistingen e.V. und des VVV hat das EXTRA-BLATT einen Artikel geschrieben, den Sie unter nebenstehendem Link abrufen können