Adventskonzert im Curanum-Kleeblatt

Vorweihnachtliches Singen in der Seniorenresidenz

Man unterschätzt hin und wieder, dass die Musik und der Chorgesang die ältere Generation nicht so berühren wie es eigentlich sein sollte. Doch das ist ein grosser Trugschluss: Denn genau das Gegenteil ist der Fall! Seit Urzeiten pfeifen es die Spatzen von Dächern, dass die Musik sozusagen innerlicher Balsam ist und dass er ganz besonders die betagten Herrschaften erfreut und sogar in der Seele berührt! Ein anschauliches Beispiel für diese These, die an und für sich überhaupt keine ist, war der traditionelle Auftritt des MGV Geistingen in der CURANUM-Residenz in der Kurhausstraße. Man hatte gerade den Abendtisch abgetragen und so konnten die Heimbewohner und der eine andere neugierige und erwartungsfrohe Gast quasi an den erleuchteten Tischen sitzen bleiben. Schon bei den ersten Tönen des von Pavel Brochin mit lebhafter Gebärde dirigierten „Freut euch all“ von Georg Friedrich Händel in einer Bearbeitung von Jacob Bürthel (1926) konnte man sehen und hören, dass die besungene Freude offenkundig und sinnfällig wurde. Das betrifft gleichermaßen die konzentrierten und gut eingestimmten Sänger (die sich bereitwillig vom Dirigenten über alle stimmlichen Hürden führen ließen) und diejenigen, wozu der MGV Geistingen im akustisch verträglichen Restaurant der Seniorenresidenz erschienen war. Man beschwor auch in den a-cappella-Chorstücken „Herbei, o ihr Gläubigen“ und in einem kölschen Weihnachtslied von Henning „Henner“ Berzau (1921-2008) den frohen Gestus und Duktus der Vorweihnachtszeit.
Beide Liedsätze hat der ukrainische Dirigent und Stimmbildner Pavel Brochin (1966) einmal mehr gekonnt und klangfrisch arrangiert. Textdichter und Liedermacher Berzau ist beileibe kein Unbekannter in der Domstadt, wo er bereits Ende der siebziger Jahre ganz rege die Schreib- und Notenfeder geschwungen hat. Davon können nicht nur die eingefleischten Kölner und Rheinländer wortwörtlich ein Liedchen singen! Berzau lässt in seinem Lied das Christfest besingen, dass Jahr für Jahr den Kreis schließt. Der pathetische Jubelchor „Weihnachtsglocken“ des schwäbischen Kapellmeisters Hermann Sonnet (1881-1936) erinnerte an das strahlende Wunder der Christnacht, während das „Heilig, heilig“ des österreichischen Operetten- und Filmkomponisten Nico Dostal (1895-1981) eine seltene Bereicherung des Auftritts darstellte. Die Bitte von Direktor Hans-Josef Noppeney nach einer Zugabe erfüllten die musikalischen Gäste mit dem Klassiker “Winter Wonderland“, den Felix Bernard (1897-1944) im Jahre 1936 komponierte, ohne damals zu wissen, dass ihm damit ein außergewöhnlicher Wurf gelingen würde. Brochin, der seine Sänger dabei am Klavier begleitete, hatte sich bei dieser Zugabe für das deutsche Arrangement von Kurt Swallow entschieden. Für den Dirigenten und den Chorvorsitzenden Markus Linten gab es von Noppeney ein Präsent, ehe sie und Sänger dem Direktor in den Clubraum begleiteten, wo für das leibliche Wohl gesorgt war.
Text: Walter Dohr